Manche Orte lassen sich kaum als bloßes Museum beschreiben. Die Cité de l’Automobile – Musée National – Collection Schlumpf in Mulhouse ist vielmehr eine Pilgerstätte. Wer durch die Tore dieses ehemaligen Textilwerks tritt, betritt eine andere Welt. Es ist eine Welt, in der die Zeit stehen geblieben ist – konserviert in poliertem Metall und edlem Leder.
Ein Empfang mit architektonischem Ausrufezeichen
Schon die Anreise ist denkbar unkompliziert: Wer am Bahnhof in Mulhouse ankommt, steigt einfach in die Tram 1. Sie bringt einen direkt vor das Gelände. Schon von Weitem signalisiert die Architektur, dass hier etwas Besonderes wartet. Eine imposante Brückenkonstruktion aus Stahl und Glas führt die Besucher zum Eingang. Besonders cool: Die Fassade ist mit echten Autos dekoriert, die senkrecht an der Wand hängen – ein perfektes Fotomotiv, noch bevor man das erste Ticket gelöst hat.



Das „Blaue Wunder“: Die Bugatti-Sammlung
Sobald man die riesige Ausstellungshalle betritt, wird man von der schieren Dimension fast erschlagen. Über 500 Oldtimer stehen hier auf einer Fläche, die so weitläufig ist, dass man das Ende kaum sieht. Doch es ist nicht nur die Größe, es ist die Atmosphäre: Hunderte von prachtvollen Jugendstil-Laternen dekorieren die Halle und tauchen die Karossen in ein warmes, fast sakrales Licht.












Das absolute Highlight für mich war die Bugatti-Sammlung. Es ist die größte der Welt. Wenn man vor dieser endlosen Reihe in „Bugatti-Blau“ steht, versteht man die Faszination für diese Marke. Bugatti wurde im nahen Molsheim produziert, und diese regionale Verbundenheit spürt man in jedem Exponat. Das Zentrum bilden die beiden legendären Bugatti Royale. Man kann sich kaum vorstellen, dass diese riesigen, majestätischen Wagen einst über normale Straßen rollten. Heute sind sie unbezahlbar – ein wahrer Schatz für das Museum. Inmitten der Bugatti-Säle, die mit kunstvollen Büsten dekoriert sind, wurde auch an den Nachwuchs gedacht: Es gibt sogar Bugatti-Tretroller für Kinder.




Britischer Adel und futuristische Eier
Einen völlig anderen Charme versprühen die Modelle von Rolls-Royce. Wo Bugatti für sportliche Eleganz und Geschwindigkeit steht, verkörpert Rolls-Royce puren, schweren Luxus. Besonders beeindruckend sind die massiven Kühlermasken mit der „Spirit of Ecstasy“, die stolz in den Scheinwerferglanz ragen. Man möchte am liebsten direkt einsteigen und in die plüschigen Sitze sinken.
Doch das Museum zeigt auch die skurrilen Seiten der Automobilgeschichte. Ein echter Publikumsmagnet ist das „Eierdesign“ – das „L’Œuf électrique“ von 1942. Diese futuristische Plexiglaskugel auf drei Rädern zeigt, dass Designer schon vor über 80 Jahren über alternative Antriebe und mutige Formen nachgedacht haben. Es wirkt wie ein kleiner Außerirdischer zwischen all den barocken Luxuswagen.

Ein Nationalerbe mit Geschichte
Hinter all diesen Autos steckt die fast schon krimireife Geschichte der Brüder Schlumpf, die ihr gesamtes Vermögen in diese Fahrzeuge steckten, bis die Sammlung schließlich als unverkäufliches Kulturerbe Frankreichs unter Schutz gestellt wurde. Das spürt man: Hier geht es nicht um Geld, hier geht es um Leidenschaft.
Wer zwischendurch eine Pause braucht, kann sich in das gemütliche Restaurant zurückziehen, das passend zum Thema dekoriert ist. Im Sommer lässt sich draußen sogar ein Cocktail genießen.




Ich war absolut hin und weg und konnte mich gar nicht sattsehen. Die Cité de l’Automobile ist ein Traum, ein Eindruck, der bleibt. Der große Museumsshop hält zudem viele Souvenirs bereit – von Lego-Sets bis hin zu Büchern über Rennfahrer-Legenden. Man muss hier flanieren, die Details der Oldtimer bewundern und die Geschichte der Mobilität aufsaugen. Ein absolutes Muss für jeden, der das Reisen und die Ästhetik der Technik liebt! Und ich als Liedermacher? Ich sollte mir vielleicht auch einen kleinen Tourbus zulegen und damit durch die Gegend ziehen.

📍 Besucher-Infos kompakt
- Adresse: Cité de l’Automobile, 17 Rue de la Mertzau, 68100 Mulhouse, Frankreich.
- Anfahrt: Tram 1 ab Bahnhof Mulhouse (Haltestelle „Musée de l’Auto“).
- Öffnungszeiten: Ganzjährig geöffnet (außer am 25. Dezember).
- Web: www.musee-automobile.fr
- Tipp: Wer tiefer eintauchen will, sollte unbedingt den Audioguide nutzen – die Geschichten hinter den einzelnen Wagen sind faszinierend!
Mulhouse: Mehr als nur eine Industriestadt
Bevor ich tief in die Welt der glänzenden Karossen eingetaucht bin, hatte ich ein Gespräch mit der Tourismusinfo von Mulhouse. Der Kontakt war auf einer Messe entstanden, und es hat über ein Jahr gedauert, bis ich die Einladung schließlich annahm. Eine fantastische Gelegenheit, auch meine Gedanken zum ThemaVerkehrsbüro zu überarbeiten.
Die einstige Industriestadt hat sich zu einem charmanten und lebendigen Ziel gewandelt. Mulhouse überraschte mich mit einer entspannten Einkaufsatmosphäre, wunderbaren Plätzen und einer exzellenten elsässischen Küche.











Entspannt unterwegs
Ich bin mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) angereist und war begeistert, wie einfach alles erreichbar war. Die Stadt setzt spürbar auf umweltfreundliche Fortbewegung: Überall gibt es gut ausgebaute Radwege und Stationen für den Radverleih. Die entspannte Szenerie am Bahnhof, wo Rentner auf Parkbänken die Grünanlagen genossen, ließ sofort Wohlfühlatmosphäre aufkommen.
Das Herz der Stadt schlägt auf dem Place de la Réunion. Der Platz ist ein wunderbares Ensemble aus historischen Gebäuden, dominiert von der imposanten Kathedrale Saint-Étienne. Ihre neugotische Fassade und die farbenfrohen Dachziegel sind ein echter Hingucker. Während der Brunnen plätscherte, beobachtete ich das bunte Treiben in den Gassen rundherum, die mit individuellen Boutiquen zum Stöbern einladen.
Kulinarik und Teekultur
Was wäre ein Besuch im Elsass ohne die typische Küche? Ich entschied mich für die Winstub Henriette, ein gemütliches Lokal mit dunklem Holz und karierten Tischdecken. Dort probierte ich eine lokale Spezialität: Schnegg (Schnecken), klassisch in Knoblauch-Kräuter-Butter zubereitet. Köstlich!

Nach dem Museumsbesuch suchte ich zudem nach Teekultur und wurde in einer charmanten Teestube fündig. Meine Entdeckungen dazu habe ich hier zusammengefasst
Mein Fazit
Vor meiner Rückreise in die Schweiz habe ich noch ein paar Lieder geträllert und mich mit Einheimischen unterhalten. Einige sprechen noch Elsässisch, diesen wunderbaren alemannischen Dialekt. Mulhouse bietet eine faszinierende Mischung aus moderner Architektur und stolzen Zeugen des Industriezeitalters, die heute kreativ umgenutzt werden.
Mulhouse hat mich positiv überrascht. Die Stadt ist lebendig, gastfreundlich und bietet eine wunderbare Mischung aus Kultur und Kulinarik. Ein Besuch in der Cité de l’Automobile ist Pflicht, aber man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, auch das Herz der Stadt zu erkunden. Es lohnt sich!
📍 Kontakt & Tipps vor Ort

- Office de Tourisme: Unweit der zentralen Tramhaltestelle „Porte Jeune“.
- Tipp: Holen Sie sich den City Pass. Er beinhaltet den ÖPNV, einen kostenlosen Museumseintritt nach Wahl sowie viele Rabatte.
- Service: Barrierefrei, Spielecke, Boutique mit Textilien und ein mobiles Team per Lastenrad.
- Web: www.visitemulhouse.com
